KIRATOUR-Nutzerin Rosalia (siehe Kommentar zum Blog „Kulturtourismus im ländlichen Raum“) formuliert in ihrem Kommentar drei Punkte als Kritik für den Main-Tauber-Kreis. Sie spricht damit Themen an, die in der bundesweiten Diskussion sind:

1. Es gäbe ausreichend Kulturveranstaltungen in der Region, die sich gegenseitig Konkurrenz machen und deshalb zu wenig Besucher/innen zu den einzelnen Veranstaltungen kämen.

Ja, aber: In der Tat, unsere Region bietet eine Fülle von Kulturveranstaltungen, von spannendem regionalem Brauchtum bis zu internationaler Spitzenklasse ist alles dabei. Es sind aber nicht zu viele Veranstaltungen, sondern vielmehr sind diese nicht aufeinander abgestimmt. So kommt es zu Doppelungen bei attraktiven Abendveranstaltungen, Wiederholungen inhaltlich vergleichbarer Veranstaltungen, und kaum einmal gibt es thematische Abstimmungen. Folge: Kulturinteressierte werden dadurch gezwungen, sich aufzuteilen – und so bleiben u. U.  für den einzelnen Veranstalter zu wenig  Besucher/innen übrig.

Deshalb wird es auf dieser KIRA-Plattform einen Kulturkalender geben, der es Besucher/innen wie Kulturveranstalter/innen und der Tourismuswirtschaft erlaubt nachzuvollziehen, wo und wann  andere Kulturtermine liegen. Zudem wird es dadurch möglich sein, Veranstaltungen gemeinsam zu konzipieren und so für alle Beteiligten einen Mehrwert zu schaffen.

2. Marketing und weitere Plattformen würden nichts nutzen.

Falsch. Vor allem mit (online)Marketing und überregional angelegten Plattformen können neue und zusätzliche Besuchergruppen erreicht und interessiert werden.  KIRA wird deshalb als kulturtouristische Plattform angelegt, die sich explizit an Menschen außerhalb unserer Region wendet.

3.  Einzelne Destinationen wie das Kloster Bronnbach arbeiteten nicht kostendeckend und müssten mit problematisch hohen Beträgen bezuschusst werden.

Trugschluss: Einen Betrieb des hochwertigen kulturellen Erbes wie das Kloster Bronnbach kostendeckend zu betreiben, ist im ländlichen Raum sehr schwer, wenn nicht unmöglich. Es hat mit hohen Zuschüssen zum Betrieb dennoch seine volle Berechtigung, denn die indirekten Effekte sind erheblich:

Eintrittsgelder und Übernachtungen lassen sich als direkte Effekte leicht quantifizieren, doch viel spannender und vor allem ökonomisch attraktiv wird es  bei den indirekten Effekten des Klosters: Besucher/innen übernachten im Taubertal, besuchen das Glasmuseum und das Grafschaftsmuseum in Wertheim und gehen anschließend Shopping, kaufen Wein in Reicholzheim, gehen essen in Gamburg, besuchen eine Abendveranstaltung in Tauberbischofsheim, machen einen Ausflug ins Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim, nehmen Obst und Gemüse von einem Hofladen mit usw.

Vielleicht wäre es an der Zeit, diese indirekten Effekte für die Region einmal zu erfassen und auszuwerten, das Ergebnis dürfte überraschen (in den wenigen Erfassungen, die es überhaupt gibt, haben die Ergebnisse jedes Mal positiv überrascht!).

Übrigens: Kulturtouristen geben 88 Euro pro Tag (inkl. Übernachtung) aus, bei Radtouristen sind es  am Tag 75,60 Euro (inkl. Übernachtung), bei sonstigen Übernachtungsgästen liegt der tägliche Ausgaben-Durchschnittswert bei rund 80 Euro – gute Gründe also, in das kulturelle Erbe und den Kulturtourismus zu investieren.

(Bildnachweis: IZKK)