Sense dengeln, Hacke schärfen? OK, mag sein, dass Sie derartige Gerätschaften nicht brauchen – aber das Erlebnis, selbst Schmied zu sein, ist schlicht unschlagbar. Möglich ist das in der Löchnerschen Schmiede in Langenburg, der wohl am besten restaurierten baden-württembergischen Huf- und Wagenschmiede. 500 Jahre ist sie alt, gepflegt wird sie vom Geschichts- und Kulturverein Langenburg, der auch sonst sehr rührig ist und zum Beispiel literarische Führungen anbietet. Im Sommerhalbjahr glüht das Eisen in der offenen Werkstatt an jedem ersten Samstag im Monat, Führungen und Schmiedekurse nach Vereinbarung.

Feuer macht durstig, Einkehr macht lustig, besonders im Weinland. Wobei am durstigsten früher vielleicht die „Wengerter“ waren,  die, ausgerüstet mit Hacke, Haue, Vitriol (! – vorbei, glücklicherweise…) und Nagelschuh, den steilen Tauberhängen zwischen Steinriegeln der Natur den Rebensaft abtrotzten. Einen Einblick in den Weinbau vergangener Tage bietet das Weinbau- und Keltermuseum in Niederstetten-Wermutshausen. Pflege, Lese, Keltern, selbst das Abwiegen mit dem Wiegestein: Knochenarbeit. Einfach ist es auch heute nicht, verraten Winzer und Weingästeführer im Arbeitskreis Weinland Taubertal. Urlaub beim Winzer ist in der Region ebenso möglich wie kräftiges Mitarbeiten als Erntehelfer. Winzervesper und Weinprobe in der Heckenwirtschaft gehörten schon immer zum Weinbau – eine Tradition, die sich glücklicherweise bis in unsere Tage erhalten hat.

Nur einen Fingerhut voll Wein gönnten sich einst die Nürnberger Fingerhüter, denen Meistersinger Hans Sachs ein Denkmal setzte. Der Fingerhut kann reichen, den Durst zu löschen; er muss nur Humpengröße haben. Rund 4000 Exemplare der allerdings meist normalgroßen Fingerhüte sind im Fingerhutmuseum in Creglingen zu bestaunen: Kunst-, Industrie- und Kulturgeschichte auf kleinstem Raum  direkt gegenüber der einzigartigen  Herrgottskirche. Die Menschheit entdeckte die Sicherheitsbekleidung schon vor 30.000 Jahren: Der Steinzeitmensch behalf sich mit Röhrenknochen-Stücken, um den Urahn der Nähnadel verletzungsfrei durch derbes Fell zu treiben. Die österreichische Kaiserin Maria Theresia setzte auf Industriespionage, um der  Nürnberger Zunft ihre Tricks zu entlocken. Fingerhut-Entdeckungen reihenweise – vom Adenauer-Stopfei bis zum hochwertigen Schmuckstück, das zum Schäferstündchen lud.

Ins Fingerhutmuseum führt eine lange Treppe runter. Ebenfalls einzigartig sind die Museums-Aufstiege zum Lebensmuseum der Margarete Böttiger im Lindleinturm in Creglingen oder zum Dorfarrest in Wildentierbach.

(Bildnachweis: Inge Braune)