Eine Zwergengalerie, Kunstautomaten oder gar „Neidköpfe“ – Kultur kann gelegentlich ganz schön schräg anmuten, und davon gibt es reichlich in Heilbronn-Franken, egal ob tierisch, menschlich oder märchenhaft.

Im barocken Schlossgarten von Weikersheim lässt sich märchenhaft skurriles Kulturgut aus dem 18. Jahrhundert entdecken – in Form von Gartenzwergen der etwas größeren Art. Diese müssen nicht immer männlich sein oder rote Zipfelmützen tragen. In diesem Fall wurden sie sogar einigen realen, damaligen Bediensteten des Schlosses nachempfunden und sind Werke des Künzelsauer Bildhauers Johann Jakob Sommer. Er lieferte 14 der 16 vorhandenen Zwerge zwischen 1711 und 1712. Die „Zwergengalerie“ umfasst beispielsweise eine Trommler, die Hofgärtnerin, den Küchen- und Kellermeister, einen Faulpelz und  die Haushofmeisterin – Ratespaß für Groß und Klein. Der „Kellermeisterzwerg“ aus unserem Titelbild mit seinem wohl proportionierten Bäuchlein lässt darauf schließen, dass barockes Genussleben am Hof von Graf Carl Ludwig von Hohenlohe-Weikersheim und seiner Frau Elisabeth Friederike Sophie nicht gerade unbekannt war.

 

Falls es noch etwas skurriler sein darf, werden Sie im Rittersaal des Schlosses etwas ganz Besonderes finden: zwischen dem aus Gips modellierten, typischen Jagdwild befindet sich auch ein fast lebensechter Elefant, den der Stuckateur und Kalkschneider Gerhard Schmidt zu Beginn des 17. Jahrhunderts schuf.

Kunstautomat von Bernhard Deutsch

Kunst aus dem Automaten

Nicht weniger kurios geht es in anderen Städten zu.  In Schwäbisch Hall gibt es beispielsweise nicht nur Geld-, Kaugummi- und Zigarettenautomaten. Verteilt über die ganze Stadt findet sich etwas ganz Einmaliges: Kunstautomaten! Diese künstlerischen Unikate des Ideen- und Zauberkünstlers Bernhard Deutsch halten Überraschungen bereit – gegen Münzeinwurf. Tipp: Besonderer Beliebtheit erfreut sich der Automat von Frau Kehrer und Frau Schäufele auf der Henkersbrücke. Mehr zur Arbeit des kreativen Tüftlers Deutsch als Video-Clip.

 

Neidkopf

Bedeutung im Dunkel: „Neidköpfe“

Wasserspeier und anderer Fassadenschmuck sind an alten Gebäuden nichts Ungewöhnliches. Anders sieht es bei den Hohenloher Neidköpfen aus. Diese uralten Steinfratzen zieren beispielsweise einige Altstadthäuser in Öhringen, die Sankt-Wendelins-Kapelle in Gerabronn-Rückershagen, die Bartholomäuskirche in Beimbach oder eine Turmaußenwand der Kirchberger Stadtmauer. Dämonenabwehr? Schutzgeister? Der Ursprung der Neidköpfe ist im Dunkel der Geschichte verloren gegangen, aber ein keltischer Ursprung wird vermutet.

 

Sie wollen noch mehr skurriles Kulturgut, das es so nur in Heilbronn-Franken gibt? Dann werfen Sie doch einen Blick in das Buch Schräge Heimat – Abgefahrene Sehenswürdigkeiten in Baden-Württemberg von Ute Friesen und Jan Thiemann.

 


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