Heute intensive Diskussion bei der Nachbereitung unseres letzten KIRA-Treffens in Schwäbisch Hall: Wie wichtig ist uns eigentlich die Professionalität der Darstellung in kleinen Museen im ländlichen Raum? Wird eine mangelnde professionelle Darstellung möglicherweise aufgehoben durch sehr persönliche Informationsvermittlung der handelnden Akteur/innen vor Ort?

Ausgangspunkt: KIRA-Mitarbeiterin Katharina Stephan besuchte das Rabbinatsmuseum in Braunsbach, einem kleinen Dorf zwischen Künzelsau und Schwäbisch Hall. Sie kam begeistert zurück und erzählte von einem sehr bereichernden Besuch und vor allem der spannenden und sehr persönlichen Wissensvermittlung durch die beiden ehrenamtlichen Museumsleiter Elisabeth Quirbach und Hans Schulz. „Ich habe unglaublich viel von dem Besuch mitgenommen, viel mehr als das, was ich von einem Museumsbesuch erwartet hätte“, sagt Katharina Stephan. Aber: „Wenn nur die Ausstellung selbst etwas professioneller gemacht wäre, es würde sich unbedingt lohnen, dort Geld in die Hand zu nehmen und in ein tolles Ausstellungsdesign zu investieren. Im Moment verkauft sich das Museum unter Wert.“

„Stimmt das wirklich?“, haben wir uns gefragt. Wie schaffen wir eigentlich Qualität in der „Kundenbeziehung“ zum kulturell interessierten Gast – durch eine professionelle Gestaltung oder durch eine Vermittlung, deren Qualität im Dialog und dem Enthusiasmus derer liegt, die ein solches Museum unter großem persönlichen Engagement am Leben erhalten? KIRA-Projektleiterin Karin Drda-Kühn hatte dasselbe Erlebnis letzte Woche beim Besuch des Dorfmuseums in Niklashausen und im Gespräch mit Museumsleiterin und Ortsvorsteherin Marilise Düx: Das als Kurzbesuch angesetzte Treffen endete nach vier Stunden in der gemütlichen Küche von Frau Düx bei Kaffee und Kuchen, nach einer Führung durch die spätgotische Dorfkirche und einem Spaziergang durch die früheren terrassierten Weinberghänge.

Vorläufiges Fazit: Schickes Ausstellungsdesign, das Inhalte kongenial unterstützt, ist eine feine Sache. Doch es ist keineswegs Voraussetzung für ein spannendes Kulturerlebnis. Wichtiger ist,  „etwas mitzunehmen“, erst recht, wenn dadurch eine Situation entsteht, in der die Touristenbeziehung aufgehoben wird und der/die Reisende zum persönlichen Gast wird. Möglicherweise fängt da die eigentliche Qualität an…

(Bild: Rabbinatsmuseum Braunsbach: Bildnachweis: Museum)