Kultururlaub als Beitrag für soziale Stabilität, Dorferneuerung und Regionalentwicklung – hier ein Beispiel aus der mittelitalienischen Region Marke, in der eine engagierte und vor allem kunstbegeisterte Hotelbesitzerin und Gastronomin seit Jahren konsequent auf die Wiederbelebung ihrer dörflichen Heimat mit Unterstützung ihrer kulturell begeisterten Gäste setzt.

„Ich brauche für die Vermarktung meines Hotels und unseres Restaurants ein überzeugendes ganzheitliches Konzept, denn wunderschöne Landschaften und „Kulturgeschichte pur“ gibt es  nicht nur hier in der Region Marke“, sagt Carolina Bernasconi. Die junge Inhaberin des Riserva Privata San Settimio setzt auf die Verbindung von Kunst, Kulturgeschichte und Kultur für ihre wohlhabenden Gäste aus Rom und Mailand. Seit den Sechziern saniert ihre Familie jedes Jahr leerstehende Bauernhäuser nahe Arcevia (Provinz Ancona / Italien). Ihr Großvater begann  Land und zerfallende oder verlassene Häuser zu erwerben, von denen es in der mittelitalienischen Region Marke reichlich gibt. Entstanden ist eine luxuriöse „Albergo Difuso“, ein Hotel mit einer gemeinsamen Rezeption und einem hochwertigen Restaurant und zahlreichen verstreut liegenden Häusern, die alle im ländlichen Stil hergerichtet und ausgestattet wurden und werden. Schick und luxuriös, ganz so, wie sich wohlhabende Städter das romantische Landleben vorstellen.

Sukzessive sind Spa, Pool, Konferenzzentrum, Sportangebote und eigene Produktlinien vom Wein bis zum Olivenöl hinzugekommen, doch das Herz des Unternehmens ist die Kunst. Überall auf dem weitläufigen Gelände finden sich Skulpturen und Installationen, die den Sommer über durch Künstlerinnnen und Künstler, Designer und Architekten entstehen. Aus einer einst isolierten Aktion hat sich zwischenzeitlich eine Initiative entwickelt, die sich nun um die Wiederbelebung eines ganzen Dorfes kümmert.

Palazzo heißt der Ort, ein Konglomerat aus alten Häusern, die sich an die Spitze eines Hügels schmiegen,  gekrönt von einer kleinen mittelalterlichen Burg. Auf der Straße von Arcevia taucht der Ort auf dem Hügel unvermittelt auf, ganz so, wie er sich vor 700 Jahren, zu seiner Blütezeit, Freunden und Feinden imponierend dargeboten haben muss. Rund 300 Einwohner zählte der Ort einst, geblieben sind 20 vorwiegend ältere Menschen. Die Palazzo-Initiative „Operazione Arcevia 2.0“  hat sich vorgenommen, den Ort über Kunstaktionen neu zu erfinden, unterstützt von Carolina, die den rund 15 jungen Leuten von April bis Oktober Unterkunft und Verpflegung stellt.

Palazzo

Palazzo

Eine erste Kunstaktion im April dieses Jahres entpuppte sich als Überraschungserfolg:  Rund 50 Menschen aus der Region, aber auch darüber hinaus fanden den Weg nach Palazzo, nur aufgrund von Facebook, Mundpropaganda und einigen kopierten Ankündigungen, die im nahe gelegenen Arcevia, zu deren Gemeinde das fast verlassene Palazzo gehört, verteilt wurden. Die verbliebenen Bewohner von Palazzo hatten seit Jahren nicht mehr so viele fremde Menschen in ihrem Dorf gesehen, berichtet Nicolo Spina, einer der Aktiven, selbst ausgebildeter Architekt und Designer. Für ihn und seine Künstler-Kollegin Jordana Lyden-Swift brachte das Ereignis vor allem Ermutigung, weiter zu machen, denn ihr Engagement ist ehrenamtlich.

Carolina wiederum sieht eine Rechnung, die letztlich aufgeht: Mit der Palazzo-Initiative hat sie Aufmerksamkeit bekommen, ihre liebevoll ausgestatteten Häuschen fanden neue Gäste, über soziale Medien wie Facebook wurden mehr und schneller Menschen erreicht, als sie es über traditionelle Werbemaßnahmen hätte erreichen können. All das gibt ihrem Engagement und dem der Kunstinitiative Recht – sie setzen darauf, über diesen Weg Gäste für San Settimio und für die Region zu begeistern.


(Bildnachweis: Dank an Jordana Lyden-Swift für das wunderschöne Bild, das in Palazzo anlässlich der Kunstaktion im April 2013 aufgenommen wurde und den schönen Titel „1000 Schmetterlinge für Palazzo“ trägt .)