Im Taubertal ist man versucht, den Mythen zu glauben, die sich um alte Wallfahrtsstätten mit vorchristlichen Wurzeln, um keltische Fliehburgen und Kultplätze ranken.

Geheimnisvoll und sagenumwoben sind die Achteck-Kapellen im Main-Tauber-Kreis. Nirgends sonst in Deutschland stehen die orientalisch anmutenden Oktogone so dicht beieinander. Gemunkelt wird von Verbindungen zu keltischen Quellheiligtümern ebenso wie von Templerspuren und Kreuzzugsgeheimnissen. Sogar das Grabtuch von Turin soll der Fama nach in einer der drei – ursprünglich waren es vier – erhaltenen Achteck-Kapellen versteckt gewesen sein.

Nur einen Katzensprung von Tauberbischofsheim entfernt reckt die Achatiuskapelle in Grünsfeld-Hausen ihr minarettartiges Türmchen überm Doppel-Oktogon in die Höhe, ein paar Kilometer weiter verzaubert in Oberwittighausen die Sigismundkapelle mit den der Sagenwelt entsprungenen Wehrfiguren, die sich am Portal tummeln: Drachen, Nixe, Wassermann, eine Chimäre aus Leu und Mensch, dazu ein seltsamer Pilger, eigenartige Spiralen regen die Phantasie zu Abenteuerreisen an. Ähnliche Wesen tummeln sich auch überm Portal der Bergkirche in Laudenbach bei Weikersheim. Fast auf der Markungsgrenze zwischen Creglingen und Weikersheim lockt die ebenfalls an orientalischen Bauten orientierte Ulrichskapelle in Standorf, in der auch die 800 bis 1000 Jahre alte Eichenholz-Mittelsäule fasziniert.

Ob alter Kultplatz oder Dankkapelle für die gesunde Heimkehr aus Kreuzzugsabenteuern: Errichtet wurden sie alle auf der Schwelle vom 12. zum 13. Jahrhundert unter staufischer Herrschaft. Die Inspiration zur Achteckbauweise dürfte auf die Jerusalemer Grabeskirche zurückgehen.

Spuren des kulturellen Brückenschlags zwischen Orient und Okzident zeigen andere Sakralbauten wie die bereits im Bayerischen gelegene Kunigundenkapelle bei Burgerroth. Auch die nutzt Uralt-Siedlungsfläche, wie Funde aus der Jungsteinzeit belegen.

(Bild: Kunigundenkapelle, Bildnachweis: Inge Braune)