Um „Kultur im Off“ ging es vom 23.-24.1.2014 bei der 2. Künzelsauer Kulturmanagement-Konferenz .  „Off“ stand gleichermaßen für Kriegsgebiete, geografische Randgebiete oder eben den ländlichen Raum, der in Gefahr steht, von der Kulturförderung aufgrund der demografischen Entwicklung abgehängt zu werden. Wirklich vergleichbar waren die präsentierten „Kulturnischen“  im kriegsverwüsteten Somalia oder Afghanistan, im Oderbruch an der deutsch-polnischen Grenze oder aber in Hohenlohe nicht, allenfalls ihr Nischencharakter erlaubte eine lose Verbindung.

Eine Zahl allerdings sei hier unter kulturtouristischen Vorzeichen aufgegriffen: Im Eröffnungsvortrag nannte C. Sylvia Weber, Leiterin der Museen Würth, Besucherzahlen des Museums Würth, der Kunsthalle Würth, der Johanniterkirche und der Hirschwirtscheuer – allesamt hochklassige Kulturträger in Schwäbisch Hall und Künzelsau: Seit Eröffnung der Museen, also 1991, fanden 4.536 Mio Kunstinteressierte den Weg in die Region. Ist das noch „Off“?

Nun versuchen wir mal eine (ebenso hypothetische wie vereinfachte, aber deshalb plastische) Rechnung: Wenn nur die Hälfte davon, also 2.268 Mio, eine Übernachtung in oder um Schwäbisch Hall oder Künzelsau machte, und wir nun den Betrag von 88,– Euro* zugrunde legen, den ein Kulturtourist /eine Kulturtouristin durchschnittlich bei einer Übernachtung in einer Region lässt, dann hätte das ländliche Hohenlohe  im Umfang von 199.584 Mio Euro davon profitiert. Das ist keine validierte Zahl und soll auch nicht mehr als die Dimension verdeutlichen: Diese Kultureinrichtungen sind ein Wirtschaftsfaktor für die Region, und dem gesamten Kulturbereich stünde ein wenig mehr Selbstbewusstsein gut an: Kulturförderung = Wirtschaftsförderung!

Und nun die Vision: Diese 4.536 Mio Kunst- und Kulturinteressierten werden durch attraktive vernetzte Angebote eingeladen,  weitere Kulturangebote in Hohenlohe, im Taubertal oder im Heilbronner Land wahrzunehmen. Sie besuchen den Riemenschneideraltar in der Herrgottskirche in Creglingen, das Schloss in Weikersheim, das Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim, die Burg Gamburg und das Grafschaftsmuseum in Wertheim. Sie legen einige Radel- oder Wein-Wandertage im Heilbronner Land ein und besuchen zum Schluss noch ein Konzert des Hohenloher Kultursommers. Damit lässt sich die wirtschaftliche Dimension erahnen, die darauf wartet, durch Kulturschaffende und Touristiker ausgeschöpft zu werden!

 

* Der Betrag von 88,– Euro wurde 2008 durch die Studie „Wirtschaftliche Effekte der Konstantin-Ausstellung 2007 für die Region Trier“  ermittelt und bezog sich auf die Situation der Region Trier. 2011 wurde der Ansatz durch eine Besucheranalyse zur Staufer-Ausstellung in Mannheim (Dokumentation „Ausstellung und Tourismus“, Mannheim 2011)   in der Größenordnung bestätigt.  Sie ist dennoch nur ein Ansatzpunkt, denn die Datenlage zur Erfassung ökonomischer Effekte und der Umwegrentabilität ausgehend von Kultureinrichtungen im ländlichen Raum ist derzeit nicht ausreichend.

(Bildnachweis: Unser Titelbild zeigt die Kunsthalle Würth, Gastgeberin am ersten Tagungstag.  Der Blick von der Eingangsterrasse der Kunsthalle hinunter auf Schwäbisch Hall  ist eine eigene Reise wert.)