Es ist schon auffallend, was sich in den letzten Jahren insbesondere in den (Haupt)Städten kleiner europäischer Staaten in Sachen „Kulturtourismus“ getan hat: Ob Riga, Vilnius, Krakau oder Reikjavik: Die kleinen Metropolen setzen massiv auf Kultur- und Kreativwirtschaft! Nun gab es den Handel mit traditionellem Kunsthandwerk schon immer in mehr oder weniger banalen Ausformungen. Aber was sich zwischenzeitlich daraus entwickelt hat, spielt in einer anderen qualitativen Liga:

  • Schmuckdesigner/innen aus Island arbeiten mit Materialien aus dem Meer und der Natur: Broschen aus Fischhaut, witzige Filz-Acessoires, origineller Perlen-Schmuck;
  • lettische Modedesigner/innen erfinden Wintermode neu, aus Filz, Bernstein und Wolle entstehen abenteuerliche Textilkreationen, die in Riga angeboten werden;
  • im litauischen Vilnius sind ganze Straßenzüge voller Boutiqen mit Kunsthandwerk, Schmuck und Textilien (vor allem Leinen und Leinenmode) entstanden, dazu Designermode vom Feinsten;
  • Krakau ist unvermindert der „Klassiker“ unter den osteuropäischen Klein-Metropolen, was Schmuck und Kunsthandwerk betrifft.

Und die Rechnung scheint aufzugehen, denn die Städte bieten ein ideales Umfeld: Jugendstil in Riga, Barockarchitektur in Vilnius – die Zielgruppe der kultur- und bildungsorientierten, dabei finanziell gut-situierten (weiblichen!) Gäste kommt und genießt.

Aber was sind die Erfolgsfaktoren, und was können wir für den ländlichen Raum davon verwenden:

  • in den betreffenden Städten und Regionen werden junge Leute speziell qualifiziert: z. B. Reikjaviks Kunsthochschule bietet den Studierenden parallel eine wirtschaftliche Ausbildung an;
  • alle Städte schaffen ein „Klima“, das Kultur- und Kreativwirtschaft fördert: Jugendstilführungen in Riga führen z. B. selbstverständlich auch zu den Läden, in denen Antiquitäten und „jugendstilige“ Acessoires zu finden sind;
  • Wirtschaftsförderer unterstützen junge Unternehmen und Einzelpersonen der Kultur- und Kreativwirtschaft mit Räumen, günstigen Krediten, fachlicher Hilfe.

Und noch etwas: Überall an den genannten Standorten ist freier, kostenloser Internetzugang selbstverständlich: im Hotel, in Cafés und Restaurants, selbst auf vielen öffentlichen Plätzen. „Wir wollen schnell und gezielt informieren, und das geht bei Gästen am besten über das Handy Casino„, sagte die nette Dame bei der Tourimusinformation Vilnius und verwies auf die Vilnius App, „dann sparen Sie sich das Schleppen von Prospekten“. Recht hat sie! Da kann sich der ländliche Raum bei uns noch ein Stück Servieceorientierung abschneiden.

(Bild: Samtschmuck aus Vilnius – Bildnachweis: media k GmbH)