Der Kulturtourismus gilt als einer der „Megatrends“ im Tourismus, als einer der wenigen  Wachstumsbereiche der touristischen Nachfrage überhaupt, auch wenn er mit rund 7,8 % ein vergleichsweise kleines Segment im europäischen Tourismus umfasst. Es arbeiten in der europäischen Tourismuswirtschaft zwischen 12 und 14 Mio. Menschen (ca. 6,2% der europäischen Bevölkerung im erwerbstätigen Alter)[1].

Nach der letzten Europäischen Tourismusstudie nannten immerhin 27% der Befragten Kulturerbestätten als ausschlaggebende Faktoren in der Wahl ihres Ferienziels. Mit dem Kulturtourismus können weit mehr und ökonomisch attraktive Zielgruppen angesprochen werden als beispielsweise mit dem Sporttourismus oder dem reinen Erholungstourismus. Das macht den Kulturtourismus unabhängig von Moden, Konjunkturzyklen und demographischen Entwicklungen.

Umsätze erzielen neben Kultureinrichtungen unterschiedliche Wirtschaftszweige:

  • Hauptprofiteure sind der Einzelhandel, Beherbergungsgewerbe, Gastronomie,
  • das Freizeit- und Unterhaltungsgewerbe,
  • der Bereich der sonstigen Dienstleistungen (z. B. lokales Transportgewerbe, Parkhäuser, Tagungseinrichtungen, Weinwirtschaft, kleine Lebensmittelmanufakturen, Hofläden)

Der Kulturtourismus gilt als attraktiver Nischenmarkt, der mehr lokale Akteur/innen partizipieren lässt als der Radlertourismus, der Sporttourismus oder der Naturtourismus. Laut „Qualitätsmonitor Deutschland Tourismus“ steht der „Kultur-Urlaub“ bei ausländischen Gästen an zweiter, bei deutschen Gästen an vierter Stelle der Beliebtheitsskala. Bei ausländischen Gästen ist es mit 53% über die Hälfte, die einen Kultur-Urlaub machen möchten.

Dabei punktet nicht nur der (groß)städtische Kulturtourismus: An dritter Stelle (nach dem Besuch von Museen und Ausstellungen mit 74%) steht das Kennenlernen von Veranstaltungen, die mit Brauchtum zusammen hängen (35%). Als Kultur-Urlaubsziel spielt  Baden-Württemberg auf dem 7. Platz im Bundesländervergleich eine nachgeordnete Rolle, was angesichts der hochklassigen Kulturangebote Nachholbedarf signalisiert.[2]

Die Zielgruppen im Kulturtourismus sind breit aufgestellt:

  • Kulturkenner (bildungsorientiert, detailinteressiert)
  • Eventsucher (starke soziale Komponente, Abwechslung)
  • Kulturkonsumenten (Kultur als Unterhaltung, z. B. „Musikfestbesucher“)
  • Kulturinteressierte Urlauber/innen („Kultur als Genussverstärker“)

 



[2] Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (DZT): „Qualitätsmonitor Deutschland Tourismus“, Ergebnisse 2010/2011, S. 2-6