Zahlreich sind die kulturgeschichtlichen Spuren jüdischer Geschichte in Heilbronn-Franken. Friedhöfe, Museen und Gedenkstätten sind wichtige Zeugnisse der Heimatgeschichte unserer Region. Das Besondere daran: Überall sind engagierte Bürgerinnen und Bürger bereit, Gästen und Einheimischen jüdische Kultur und jüdisches Erbe näher zu bringen. Persönlich, individuell und kenntnisreich.

Nachweislich seit dem 13. Jahrhundert ist das Judentum im nördlichen Baden-Württemberg – also auch in Heilbronn-Franken – verbreitet. In Bad Rappenau befindet sich einer der größten jüdischen Friedhöfe Deutschlands. Fast 1.000 Grabsteine zeugen davon, dass in Bad Rappenau-Heinsheim Verstorbene aus rund 25 Gemeinden bestattet wurden. Auf Grund der Größe und Vielfalt ist dies einer der kunstgeschichtlich interessantesten Judenfriedhöfe der Bundesrepublik.

Unweit von Bad Rappenau, ebenfalls im Heilbronner Land, finden Sie eine Gedenkstätte unter Tage. Teil der unterirdischen Ausstellung im Besucherbergwerk in Bad Friedrichshall-Kochendorf ist die Gedenkstätte für das Ehemalige KZ Kochendorf .

Auch Hohenlohe eignet sich für eine Entdeckungstour der jüdischen Geschichte der Region. Hier locken nicht nur unterschiedliche Ausstellungen zur jüdischen Kultur – beispielsweise im Rabbinatsmuseum in Braunsbach, im Hällisch-Fränkischen Museum in Schwäbisch Hall, im Museum in der ehemaligen Synagoge in Michelbach an der Lücke  oder im Stadtmuseum im Spital in Crailsheim. Auch bei einer Führung durch die Crailsheimer Innenstadt gibt es viele jüdische Spuren vom 14. bis ins 20. Jahrhundert zu entdecken – oder Sie unternehmen bei schönem Wetter eine Wanderung rund um den Schaalberg bei Braunsbach und erkunden dort den jüdischen Friedhof.  Gesellschaft erwünscht? Hohenlohe Franken Tours und Taubertal Kulturführungen bieten ein umfangreiches Programm zum jüdischen Leben in Heilbronn-Franken.

In der östlichen Ecke des Taubertal sei der Besuch des jüdischen Museums in Creglingen nachdrücklich empfohlen. Neben der Dauerausstellung „Wurzeln und Wege“ werden hier regelmäßig unterschiedliche  Wechselausstellungen gezeigt. Anschließend bietet sich ein Besuch der Gedenkstätte 25. März 1933 im alten Rathaus oder eine Wanderung zum jüdischen Friedhof etwas außerhalb von Creglingen an.

Jüdische Friedhöfe werden auch Häuser der Ewigkeit („Bet olmin“) genannt, und einer der ältesten Friedhöfe Baden-Württembergs liegt ebenfalls im Taubertal. Auf dem jüdischen Friedhof in Wertheim haben rund 70 Grabsteine die Zeit überdauert, der älteste stammt gar aus dem Jahr 1405! Obwohl dieses Wertheimer Haus der Ewigkeit offiziell erst 1406 genehmigt wurde, sind Dokumente erhalten geblieben, welche belegen, dass dieser Ort bereits 600 Jahre früher als Begräbnisstätte genutzt worden ist. Damit ist er sogar älter als der bekannte jüdische Friedhof in Prag! Weitere besuchenswerte jüdische Friedhöfe finden Sie unter anderem in Braunsbach, Dörzbach-Hohebach, Krautheim, Niederstetten, Schöntal-Berlichingen, Schwäbisch Hall oder Weikersheim. Alternativ haben Sie bei einer Wanderung oder Radtour über die Pfade der Stille die Gelegenheit, gleich drei jüdische Friedhöfe zu besuchen. Wenn Sie die Würde der Orte ehren möchten:  Männliche Besucher tragen auf jüdischen Friedhöfen eine Kopfbedeckung (Hut oder Kippa).


Bildnachweis: Wir danken dem  Jüdisch Historischen Verein Augsburg für die freundliche Genehmigung zur Reproduktion des stimmungsvollen Bildes, das die Grabsteine am zweiten Eingang des Creglinger Friedhofs zeigt.