Wer zu Fuß oder auf dem Rad die Landschaft Heilbronn-Frankens erkundet, wird sie kennen – und immer wieder auf sie stoßen: vielfältige Arten von Steinkreuzen und Bildstöcken. Diese zumeist religiösen Kleindenkmale werden bereits seit dem Mittelalter an alten Straßen und Wegkreuzungen, auf Anhöhen, an Wald- und Feldrändern oder Flussufern errichtet und sind typisch für die Region: denn nirgends in Baden-Württemberg sind sie häufiger zu finden als im Taubertal.

Zu den ältesten Flurdenkmalen der Region gehören die bis zu 120cm hohen, relativ klobigen Steinkreuze, die zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert hauptsächlich als Sühne-, Gerichts- und Schwurkreuze platziert wurden – ein schönes Beispiel hierfür ist das Richtplatzkreuz in Tauberbischofsheim (Titelbild). Aufgrund ihrer oftmals abgeschiedenen Lage und der zusätzlichen Funktion als Grabstätte für Selbstmörder, Heiden oder Pestkranke ranken sich um die Steinkreuze nicht nur Sagen und Spukgeschichten (wie in Reicholzheim oder Boxberg) – vor allem bildeten sie die Grundlage der „privatrechtlichen Sühneverträge“ und spielten somit eine wichtige Rolle im mittelalterlichen Rechtssystem, beispielsweise um Blutfeden zu verhindern oder zu beenden. Ihre Bedeutung verloren diese Steinkreuze erst langsam, beginnend mit Einführung der Halsgerichtsordnung durch Kaiser Karl V. im Jahre 1532.

Bad Mergentheim, Sühnekreuze aus dem 14. Jahrhundert

Bad Mergentheim, Sühnekreuze aus dem 14. Jahrhundert

Nicht nur in Bad Mergentheim wurden ab dem 16. Jahrhundert  Steinkreuze zu Wetter-, Pilger-, Flur- und Wege- oder Pestkreuzen umfunktioniert, umgesetzt oder in Form von Mord- und Gedenkkreuzen oder –steinen nach tödlichen Unfällen oder aus Dankbarkeit für einen Glücksfall oder entgangenen Schaden neu errichtet. Die häufigsten ab dem 16. Jahrhundert errichteten Flur- und Wegekreuze stellen allerdings Kruzifixe dar. Diese Wegmarkierungen für Wanderer und Pilger kennzeichneten gefährliche Stellen oder wurden an Unglücksschauplätzen errichtet – woraus sich der heute weltweit übliche Brauch der Unfallkreuze an Land- oder Schnellstraßen entwickelt hat.

Während die Beliebtheit der Steinkreuze im späten Mittelalter langsam abnahm, erreichten die Bildstöcke mit ihren meist sehr plastischen Darstellungen und Sprüchen ab dem 17. und 18. Jahrhundert ihre Blütezeit. Diese zumeist auf katholisches Territorium beschränkten Mariendarstellungen künden nicht nur von der Volksfrömmigkeit der Landbevölkerung, vielmehr waren sie auch ein politisches Zeichen der Gegenreformation und eines wiedererstarkenden Katholizismus – und nicht zuletzt gaben diese Kleindenkmale dem Madonnenländchen seinen Namen.

Wer sich einmal ganz unbefangen an die fränkischen Kleindenkmale herantasten möchte – ohne lange Wanderungen oder Radtouren – dem empfehlen wir wärmstens einen Besuch in Külsheim. Gegenüber der Katharinenkapelle steht hier nicht nur der vermutlich größte barocke Träubelesstock Frankens, zusätzlich gehört die Stadt mit 180 Bildstöcken und Flurdenkmalen zu den bildstockreichsten Gemeinden der Region. Dies zeigt sich eindeutig auch auf den kürzeren und langen Wanderrouten und einigen Weinführungen rund um Külsheim, beispielsweise zum Uissigheimer Stahlberg mit seinem Kreuzweg oder zum Bildstock „Hoher Herrgott“, der auch dem Külsheimer Wein seinen Namen gab – und wer weiß: vielleicht entdecken ja auch Sie ein Sühnekreuz oder einen Bildstock wieder, welcher im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten ist. Darf es vorher noch ein bisschen Hintergrundwissen sein? Viele der noch existierenden Kreuze und Bildstöcke sind bereits auf Karten eingezeichnet und auch in der Literatur erfasst.

Übrigens: Geocacher aufgepasst! Die Bildstöcke der Region sind nicht nur ein beliebtes Versteck für Caches sondern teilweise zu ganzen Routen zusammengefasst – wie „die 7 Todsünden“ in der Nähe von Wertheim.

Uissigheim Kreuzweg 14 Bildstöcke

Stahlberg bei Uissigheim – Kreuzweg mit 14 Bildstöcken


Bild/Text: Pirka Kathrin Grönwaldt, Kultur und Arbeit e.V.

Titelbild: Tauberbischofsheim, Richtplatzkreuz – Koordinaten: 49.623365, 9.649735;
Bild 1: Bad Mergentheim, Sühnekreuze – Koordinaten: 49.497047, 9.775710;
Bild 2: Lauda-Königshofen, Kruzifix auf der Tauberbrücke – Koordinaten: 49.570559, 9.707752;
Bild 3: Distelhausen, Flurkreuz – Koordinaten: 49.594684, 9.694324;
Bild 4: Lauda-Königshofen, Kreuzdarstellung – Koordinaten: 49.566521, 9.721956;
Bild 5: Külsheim, Träubelesstock – Koordinaten: 49.670388, 9.526324;
Bild 6: Oesfeld, Bildstock – Koordinaten: 49.565663, 9.848942;
Bild 7: Igersheim-Wittenstein, Bildstock – Koordinaten: 49.535938, 9.856674;
Bild 8: Stahlberg bei Uissigheim – Kreuzweg von 1867-69 (Karl Buscher, Gamburg) – Koordinaten: 49.686622, 9.561856;